
Geschichte
40 Jahre Grundschule Harheim - Auszüge aus der
Festzeitschrift
Inhalt
40
Jahre ist die Grundschule Harheim von Brigitte Gaiser
40 Jahre ist die Grundschule Harheim nun schon in den Schafgärten zu Hause. Seit 40 Jahren sitzen, lernen und
arbeiten alle Harheimer Kinder in diesen Räumen, in diesem Haus und spielen
in den wohlverdienten Pausen auf diesem Schulhof. Je länger man dem Gedanken
nachgeht, um so inhaltsschwerer wird er, um so klarer tritt die
Verbundenheit der Harheimer Bevölkerung mit diesem Gebäude und der
Stellenwert dieses Hauses im Ort hervor.
Zwar steht nun das Haus seit vier Jahrzehnten unverändert. Aber das Leben
und Arbeiten innerhalb hat sich in dieser Zeit doch ungeheuer gewandelt.
Beim Durchblättern dieser Schrift stößt man auf etliche interessante
Beiträge, die dies sehr anschaulich verdeutlichen. Am meisten beeindruckt
die ungeheure Dankbarkeit, mit der nach viel Mühe und großen Opfern vieler
Menschen dieses Haus in Besitz genommen wurde und das hieraus
selbstverständliche Ziel, die Kinder zu Achtsamkeit und Ordnung zu erziehen,
damit alle nachfolgenden Generationen ein ebenso schönes Schulhaus vorfinden
mögen, in dem sie mit ebenso viel Freude arbeiten können. Letzteres ist
gelungen und wir können dafür heute unseren Dank sagen.
Zu allen Zeiten wollte man Kinder durch die schulische Erziehung auf das
Leben vorbereiten, sowohl was Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen betrifft
als auch im Hinblick auf soziale Verhaltensweisen, die jeweils den
Wertvorstellungen der betreffenden Zeit entsprachen. So arbeiten wir heute
mehr denn je zusammen mit den Eltern auf diese Ziele hin. Wir, das ist das
Kollegium der Schule, bestehend aus acht Kolleginnen, der Englischlehrerin,
der katholischen Gemeindereferentin, der evangelischen Pfarrerin und der
Schulleitung. Das Hessische Schulgesetz gibt die Möglichkeit zur intensiven
Zusammenarbeit und die Eltern unserer Schüler helfen mit ihrer
Kooperationsbereitschaft dabei, der Zeit dicht auf den Fersen zu bleiben.
Im Mai 1995 übernahm ich die Schulleitung dieser schönen, kleinen Schule,
die noch umgeben ist von unverfälschter Natur, obwohl sie am Rande der
Großstadt liegt. Mein erstes Anliegen war, möglichst schnell einen
Förderverein zu gründen, um der Schule auch von dieser Seite her
Unterstützung zu schaffen und zu sichern. In vielen Gesprächen brachte ich
Anregungen für dieses Vorhaben ein um so die Idee voranzutreiben. In der im
Herbst 1996 zum Vorsitz des Schulelternbeirats gewählten Frau Marion Köhler
war dann schließlich die Person gefunden, die die ganze Vorbereitung für
Gründung, Eintragung ins Vereinsregister und Anerkennung beim Finanzamt in
die Hand nahm. Im Januar 1997 konnte der Verein gegründet werden, im März
desselben Jahres war er ins Vereinsregister eingetragen und als gemeinnützig
anerkannt.
Der Vorstand des nun gegründeten Fördervereins machte sich sofort an die
Arbeit, das Englisch-Projekt als nächsten Schritt in die Zukunft
vorzubereiten. Nachdem ich in meinem eigenen Unterricht schon an anderen
Schulen interessante und sehr wichtige Erfahrungen mit Fremdsprachen in der
Grundschule gesammelt hatte und zwar sowohl mit Englisch- als auch
Französischunterricht schon im ersten Schuljahr, führte Frau Köhler nun eine
Umfrage in der Elternschaft durch um die Zustimmung für einen solchen Plan
auszuloten. Das Ergebnis war überwältigend, weit über 90% aller Eltern
wünschten Englisch als Fremdsprache für ihre Kinder. Eine Englischlehrerin
wurde gesucht und schnell gefunden. Seit November 1997 nehmen alle Kinder
bis auf wenige Ausnahmen am freiwilligen Englischunterricht teil. Die
Lehrerinnen wechselten noch einige Male, weil sie uns, kaum dass sie sich
eingearbeitet hatten, vom Schulamt wieder weggenommen wurden. Mit Mrs.
Tourish haben wir aber nun schon seit fast zwei Jahren eine
Englischlehrerin, der es so gut an unserer Schule gefällt, dass sie auch
ihre eigenen Kinder zu uns bringt. Mit ihr sind wir im Kollegium nun, alle
inbegriffen, 12 Lehrerinnen.
An dieser Stelle sollen nun die Lehrer und ihre Klassen vorgestellt
werden. Schnell wird deutlich, wie jede Lehrerin sich über das
vorgeschriebene Maß ihrer Unterrichtsverpflichtung hinaus für das Wohl der
ganzen Schule engagiert.
Frau Probst kümmert sich mit Umsicht und Erfolg um alles, was eine
Vorklasse zum Lernen und Gedeihen braucht und darüber hinaus auch um den
Schulgarten. Ihre Klasse besteht in diesem Jahr aus 21 Kindern.
Frau Kämpfer führt die Klasse 1a mit 7 Mädchen und 10 Jungen. Ihr
Schwerpunkt ist alles Musikalische und – ganz besonders – die
Suchtprävention. Sie ist außerdem die gewählte Stellvertreterin der
Schulleiterin und Sicherheitsbeauftragte der Schule.
Die Klassenlehrerin der Klasse 1b ist Frau Döppes. Sie hat 7 Mädchen und
10 Jungen in der Klasse und hat sich jetzt besonders um den Einsatz der
beiden vorhandenen Computer im Unterricht angenommen. Zuständig ist sie auch
für den Datenschutz.
Frau Marquart führt die Klasse 2a mit 8 Mädchen und 10 Jungen. Basteln
und Handarbeiten sind ihre Schwerpunkte. Sie sorgt dafür, dass alte Lehrmittel wieder funktionsfähig gemacht werden.
Für die 6 Mädchen und 11 Jungen der Klasse 2b ist Frau Peter zuständig.
Sie legt besonderen Wert auf alles Künstlerische und ist außerdem die
Personalrätin.
Frau Meier ist die Klassenlehrerin der Klasse 3a, die mit 13 Mädchen und
11 Jungen eine der beiden größten Klassen der Schule ist. Sie kümmert sich
besonders um alle sportlichen Aktivitäten der Schule, um die
Klassenbüchereien und um die Lehrmittelsammlung.
Die Klasse 3b wird von Frau Krämer geführt, sie hat 11 Mädchen und 12
Jungen. Frau Krämer ist ebenfalls im Sport engagiert und betreut außerdem
die Lernmittelfreiheit, d.h. alle Schulbücher für die Kinder.
Frau Klingmann ist Klassenlehrerin der beiden vierten Klassen. 6 Mädchen
und 7 Jungen besuchen die 4a, 7 Mädchen und 7 Jungen sind in der 4b. Der
Schwerpunkt von Frau Klingmann ist Werken und Textiles Gestalten. Außerdem
koordiniert sie die Verkehrserziehung für alle Klassen.
Frau Tourish unterrichtet Englisch, Frau Buchberger evangelische Religion
und Frau Christe katholische Religion.
In allen Klassen sind Kinder und Lehrer fröhlich, engagiert und sehr
fleißig an der Arbeit. Die Lernschritte werden im Plenum vorbereitet und
dann entweder selbständig in der Wochenplanarbeit verfolgt oder in Partner-
und Gruppenarbeit erreicht.
Der Vormittag ist gegliedert durch das Frühstück, das alle Kinder in
ihren Klassen mit ihrer Lehrerin gemeinsam einnehmen, und durch die
Schulhofpausen, zu denen noch immer die schon vor 40 Jahren bestaunte,
elektrische Schulglocke ruft. Beim Klettern am Klettergerüst, beim Turnen an
den vom Förderverein errichteten Reckstangen, bei Fußball- und anderen
Spielen verschaffen sich die Kinder ihren Ausgleich zur konzentrierten
Arbeit im Klassenzimmer. In der trockenen Jahreszeit von Frühjahr bis Herbst
gibt es zur Abwechslung noch zusätzlich eine ganze Tonne voller Springseile
und anderer Kleingeräte.
Herausragend in diesen Arbeitsphasen sind natürlich die Ausflüge in die
Stadt, in die Museen, in den Zoo und den Palmengarten, vor allem aber auch
die Wanderungen hinaus in die Natur.
Alle vier Jahre veranstalten wir ein Schulfest, so dass jedes Kind im
Verlauf seiner Grundschulzeit einmal daran teilnehmen kann. In den
dazwischen liegenden Jahren findet, meistens kurz vor den Sommerferien, eine
Projektwoche statt. Jede Klasse wählt sich dafür ein Thema aus, an dem dann
alle Kinder, teilweise in unterschiedlicher Aufgabenstellung, eine ganze
Woche lang so arbeiten, dass die Aspekte aller Unterrichtsfächer abgedeckt
sind. Fachunterricht gibt es in der Projektwoche nicht.
Auch Feiern und Feste veranstalten wir für die ganze Schule gemeinsam. Da
findet zu Beginn des Schuljahres nach dem ökumenischen Gottesdienst die
Einschulungsfeier statt, an der immer mehrere Klassen mit Darbietungen
beteiligt sind, damit der Eintritt in die Schule den Kindern und deren
Eltern in guter und schöner Erinnerung bleiben kann.
Am letzten Tag vor den Weihnachtsferien treffen sich alle Klassen auf dem
Schulhof zum gemeinsamen Weihnachtssingen.
Im Sommer findet das nun schon seit fünf Jahren traditionelle Sportfest
in Zusammenarbeit mit dem TV 1822 Harheim statt. Durchgeführt werden
Leichtathletik-Dreikämpfe und Gelände- oder Geschicklichkeitsspiele.
Vor den Sommerferien verabschieden wir in einer Feier die vierten
Klassen, die dann ihre Schulzeit an den weiterführenden Schulen fortsetzen
werden.
Der Mittelpunkt des gesamten Schulbetriebes befindet sich im Sekretariat
bei Frau Geib. Hier ist die Telefonzentrale und auch der Sammelpunkt für den
gesamten Schriftverkehr. Außerdem ist Frau Geib die Anlaufstelle für die
Eltern der Schüler, für das Kollegium, die Hausmeisterei und die
Schulleitung. Hier findet man immer ein offenes Ohr und einen guten Rat für
alle Anliegen. Das wissen auch die Kinder zu schätzen, wenn sie sich nach
einem Sturz auf dem Pausenhof Pflaster aufs Knie, einen Eisbeutel auf die
Beule an der Stirn oder auch nur ein paar Trostworte holen.
In Haus und Hof sieht unser Schulhausverwalter nach dem Rechten. Herr
Kanthak hat ein waches Auge für alles, was verändert oder repariert werden
muss. Kleinreparaturen führt er noch immer selbst durch. Bleibt ihm ein
wenig freie Zeit, malt er mit bunter Farbe Hüpfkästchen für die Kinder auf
den Schulhof, richtet die schuleigenen Fahrräder für die Verkehrserziehung
oder stellt für den Förderverein den Schaukasten am Eingang zum Schulhof
auf. Ihm zur Seite steht Frau Kanthak. Sie setzt ihre ganze Kraft dafür ein,
dass unser Schulhaus immer blitzt und blinkt. Darum werden wir von Besuchern
aus anderen Frankfurter Schulen stets sehr beneidet.
Bei allen am Schulbetrieb Beteiligten – den Kindern, deren Eltern, den
Elterngremien, dem Förderverein, allen Mitarbeitern, dem Kollegium, den
Kirchen und nicht zuletzt der ganzen Gemeinde Harheim – möchte ich mich nun
sehr herzlich bedanken für die Zusammenarbeit, für Rat und Tat bei einzelnen
Projekten und für die vielen Anregungen, die wir immer wieder von Ihnen
allen bekommen. Es ist gut und hilfreich, Ihr Wohlwollen und Ihre
Unterstützung zu spüren bei unserer schulischen Bemühung, die Kinder zu
lebenstüchtigen Menschen zu erziehen. Danke!
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Grußwort
zum 40jährigen Jubiläum von Jutta Ebeling
Der Grundschule Harheim
Liebe Schulgemeinde,
zum 40jährigen Bestehen der Grundschule Harheim möchte ich Ihnen allen
herzlich gratulieren.
Mit 40 steht ein Mensch in der Blüte seiner Jahre – genau so, scheint es
mir, geht es Ihrer Schule. Am Stadtgrand gelegen, noch im Grünen, wo der
Kreislauf der Natur die Bewohner/innen mit Freude erfüllt und ihre Blicke in
die Weite schweifen können – ein idealer Platz für Kinder, erwachsen zu
werden.
Das erst seit 1972 selbständige Dorf Harheim führt auch immer noch ein
gewisses Eigenleben. Das hat dazu geführt, dass es bis heute sein Brauchtum
mit seiner Kerb, seinen Festen und Umzügen mit Blasmusik bewahrt und bewusst
gepflegt hat. Kirche, Schule und die von der Privatinitiative der Bürger
getragenen Vereine waren jahrhundertelang die alleinigen Vermittler höherer
Kulturgüter.
Die Natur zu erhalten bedeutet aber auch Verpflichtung. In der Schule
wird dies mit Herz und Verstand vorgelebt. So ist es z.B. eine
Schultradition, dass ein Teil der Erlöse der Schulfeste für einen guten
Zweck verwendet wird. Ob dies eine Tierpatenschaft für einen Nashornleguan
im Zoo ist, ein Waisenhaus im indischen Goa oder ein integrativer
Kindergarten – den Nöten anderer nimmt man sich an der Schule mit viel
Einfühlungsvermögen an.
Auch die gemeinsamen Sportfeste mit dem TV Harheim führen die Kinder an
den Sport heran und von der „Glotze“ weg. Auf diese Weise wird in Harheim
die vielfach geforderte „Öffnung von Schule“ vorgelebt.
Eine weitere Besonderheit hat Ihre Schule zu bieten: Als einzige Schule
in Frankfurt am Main wird hier Englisch von der ersten bis zur vierten
Klasse unterrichtet, eine Initiative, die dem Förderverein zu verdanken ist.
Das sehr schön gepflegte Schulhaus mit der noch weitgehend ursprünglichen
Ausstattung erstaunt so manche Besucher und zeigt nach außen, wie es im
Inneren aussieht: Ein schönes, harmonisches und fröhliches Arbeiten der 12
Lehrerinnen und der 170 Schüler/innen nebst ihren Eltern.
Ich wünsche der gesamten Schulgemeinde noch viele weitere engagierte und
frohe Jahre.
Jutta Ebeling
Dezernentin für Schule und Bildung
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Schultelternbeiratsvorsitzender der Grundschule Harheim Bernd Sommerfeld
Das 40 jährige Bestehen des "neuen" Harheimer Grundschulegebäudes wird
gefeiert. Ein Gebäude, ein Haus feiern - eigentlich ein komischer Gedanke.
Was gibt es denn an diesem Gebäude zu feiern? Seine besonders reizvolle
Architektur, seine reizvolle Lage.........oder der Stellenwert, den es im
Leben vieler (aller) Harheimer eingenommen hat und noch immer einnimmt.
Ein Grundschulhaus ist im eigentlichen Sinne ein öffentliches Haus. Jede
und jeder hat schon einmal Einblick genommen in dieses Gebäude, hat
Erinnerungen über das, was innerhalb der Mauern so passiert. Niemand geht an
diesem Haus ohne besondere Emotionen, seien sie nun negativ oder positiv
vorbei. Besonders deutlich wird dies, wenn man nach Jahren wieder in dieses
Haus eintritt. Es ist nicht irgendein Haus.
Ein Schulhaus ist aber immer auch ein Haus des Lernens. Wir alle wissen,
dass dazu eine entsprechende offene und freundliche Atmosphäre gehört. Und
dieses Schulhaus zeigt sich auch freundlich und athmosphärisch offen – helle
große Fenster, lichte Flure, ein schönes weites Außengelände, Natur –
Der Wunsch für die Schüler und Schülerinnen jetzt und in Zukunft kann nur
der sein, dass die Gestaltenden diese Chancen des Hauses zu nutzen und zu
mehren wissen, so dass es zu einer sich gegenseitig befruchtenden lebendigen
Athmosphäre des Lernens kommt. Wir wünschen uns, das die jetzigen und die
zukünftigen SchülerInnen mit positiven Erinnerungen diesem Haus in der
Zukunft sich wider nähern können.
Der Elternbeirat versteht sich an dieser Stelle als Vertreter aller
Eltern und aller Kinder, er versteht sich als kritischer aber kooperativer
Partner der Lehrerschaft. Wir engagieren uns gerne um an der Gestaltung der
Harheimer Grundschule aller mitzuwirken.
Ich wünsche der Harheimer Grundschule eine schöne Zukunft und den Mut zu
lebendiger Offenheit.
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Ostern1960 - der
Umzug von Brigitte Gaiser
wurde sehr genau vorbereitet. Währenddessen gingen die letzten Arbeiten
im neuen Schulhaus ihrer Vollendung entgegen. Landwirt Herr Jean Schmidt,
Tempelgasse, stellte die Wagen zum Transport zur Verfügung. Ganz nach Plan
vollzog sich hier der Auszug und dort der Einzug, denn alles war gut
verpackt und nummeriert. So kam gleich einer Eimerkette jedes Paket ohne
Lauferei und ohne Lärm sofort in seine neue Behausung. Jedes Kind zog im
neuen Schulhaus Pantoffeln an. Das war die erste Einübung für eine Gewöhnung
an Ruhe, Ordnung und Sauberkeit. Unser neuer Bodenbelag blieb dadurch fast
ohne Schmutz. Und das nach einem Umzug einer ganzen Schule! Die Kinder
selbst waren stolz auf diese Leistung!
Am Samstag, den 30.April 1960,durften wir dann die Einweihung des schönen
Hauses erleben.
Treffpunkt um 14°° Uhr war der Hof der alten Schule.
Zum letzten Mal dort ein Gedicht:
„Ich weiß ein großes, altes Haus,
da gingen viel Kinder ein und aus.
Sie waren vergnügt bei fröhlichem Spiel,
sie sangen und sprangen und konnten auch viel
und machten den lieben, langen Tag
gar manchem Müh‘ und reiche Plag‘.
So verging die Zeit.
Und eh‘ man’s gedacht,
hat 1960 das neue Haus gebracht.
Nun ist die alte Schule aus.
Wir müssen heut‘ fort aus dem alten Haus.
Doch sind wir einmal groß und klug geworden
und schau’n zurück in die Vergangenheit,
dann werden wir - wie heute – dankbar sprechen:
„Im alten Schulhaus war es eine schöne Zeit!“
Klassenweise vollzog sich von dort der Abmarsch. Voran die Trommler und
Pfeifer und die Musikkapelle. Der Feierlichkeiten wegen war der
Schul-Feldweg noch schnell fein gemacht worden! Alle Harheimer waren
unterwegs. Jeder wollte dieses große Ereignis miterleben.
Und in der Tat: dieser 30. April 1960
war wert, gefeiert zu werden. Alle Sorgen, Mühen und Lasten gingen unter
in der Freude und dem Glück, nun endlich ein ganz neues, ganz modernes
Schulhaus in schönster Lage zu besitzen!
Noch am Vormittag waren die letzten Arbeiten am weichen, roten
Schulhofbelag getan worden. Nun umstanden erwartungsvoll die Kinder im
Halbkreis das Rednerpult. Die Eltern füllten die Pausengänge. Alle Vereine
waren bereit, zur Verschönerung der Feier beizutragen.
Punkt für Punkt des Programms kam dran, wenn auch das Wetter reichlich
kühl war.
Das erste Gedicht wurde von Vertretern aller Klassen gesprochen:
1.Schj.
„Der Tag, wonach wir oft verlangt,
ist da, ein Tag der Freude!
Denn hell in frischen Farben prangt
Das neue Schulgebäude.“
2.Schj.
„Wie schön und schmuck es vor uns steht,
wie wir es kaum erträumet,
die Fahne kühn vom Maste weht,
von Blumenschmuck umsäumet.“
3.Schj.
„Und Gäste sind von nah und fern
zum Weiheakt erschienen.
Ihr Kommen sagt uns, daß sie gern
Der Schule wollen dienen.“
4.Schj.
All denen Dank, die mitgeplant,
Handwerk und Kunst verbanden,
und die dem Werk den Weg gebahnt,
daß es nun ist erstanden.“
5.Schj.
„Auch Dank für jeden Tropfen Schweiß
sei allen zugerufen,
die uns mit ihrer Hände Fleiß
die schöne Schule schufen.“
6.Schj.
„Die Dankbarkeit uns alle heißt,
das Haus so zu erhalten,
daß darin Liebe, edler Geist
und frohe Arbeit walten.“
7./8.Schj.
„Doch höchster Dank an dieser Statt
gehört dem Herren droben,
der alles Tun gesegnet hat:
laßt Ihn uns herzlich loben!“
Die erste Enttäuschung: ach, wie ganz anders klangen die Worte hier vor
so viel-en Zuhörern! Beim Üben hatte sich alles so forsch angehört.
Herr Bürgermeister Quirin
begrüßte alle Gäste und dankte besonders für die großzügige finanzielle
Unterstützung durch Land und Kreis. Er wandte sich im besonderen an die
Jugend, nun auch zu nützen, was ihr in diesem Haus geboten werde, um einmal
selbst Bauer und Verteidiger des demokratischen Staates sein zu können.
Herr Regierungsschulrat Lohfink
überbrachte die Grüße des Herrn Regierungspräsidenten in Darmstadt. Er
wünschte, diese Schule möge eine Schule der offenen Türen und Fenster werden
und Eltern und Lehrer zu guter Partnerschaft zusammenschließen.
Herr Landrat Milius
umging geschickt die Tatsache, daß wir so spät erst – als 50.Gemeinde des
Kreises Friedberg – zu einer neuen Schule kamen, mit der Ankündigung, dafür
aber auch die erste Landgemeinde zu sein, die in absehbarer Zeit eine
moderne Turnhalle erhalten solle.
Herr Schulrat Sehnert
fand gute Worte für die Kinder, alles zu hegen und zu pflegen und selbst
zu wachsen an dem, was ihnen nun geboten werden könne. Die Väter im
besonderen bat er, besorgt darum zu sein, daß sie Erzieher und nicht nur
Ernährer ihrer Kinder seien.
Herr Pfarrer Sommer
sprach in großer Herzlichkeit seine Segenswünsche aus
und ebenso Herr Pfarrer Alester von der evangelischen Gemeinde.
Der Elternbeiratsvorsitzende , Herr Diehl,
wünschte Lust und Liebe zum Lehren und zum Lernen.
Nach der sehr aufschlußreichen Rede des Herrn Architekten Hohmann empfing
Herr Bürgermeister Quirin den kunstvollen Schulschlüssel, den er mit
herzlichen Wünschen an mich weitergab.
Meine Erwiderung:
„Ich übernehme die Schlüssel zu dem neuen Schulgebäude im Namen unseres
Kollegiums un der Kinder mit einem Wort ganz großen, herzlichen Dankes an
alle diejenigen, welche mit Kopf und Hand und Herz an der Errichtung dieses
prächtigen Baues mitgewirkt haben. Ich darf danken unserer hohen
Schulbehörde in Wiesbaden, in Darmstadt und Friedberg. Ich danke auch in
unser aller Namen allen, welche die Mittel flüssig gemacht haben zur
Verwirklichung der großen Pläne. Ganz besonderer Dank sei gesagt unserem
Herrn Bürgermeister Quirin, der in nimmermüder Bereitschaft ungezählte
Stunden dafür geopfert hat, aber auch allen Herren der Gemeindevertretung
und des Gemeindevorstandes, die große finanzielle Sorgen auf sich genommen
haben, um unseren Kindern dieses moderne, schöne Haus zu schenken.
Nicht vergessen sollen sein all die Vielen, die bis zur letzten Minute
unverdrossen gewirkt haben, daß das Haus so bräutlich dasteht.
Am Montag vor einem Jahr ist der Grundstein zu diesem Haus gelegt worden.
Wer von uns hat damals auch nur geahnt, wie schön übers Jahr die ganze
Schulanlage werden würde!
Sehr geehrte Festversammlung!
Aus Anlaß dieser heutigen Feier habe ich einmal die alte Schulchronik
durchblättert. Wie ein düsterer Schatten hat es sich da schwer auf mein
Gemüt gelegt: In welch unvorstellbaren Armut wurde hier in unserem Harheim
vor 150 Jahren im ersten Schulhüttchen gearbeitet! Sie wissen ja als
Ortsbürger, es war das winzige, erbarmungswürdige Häuschen im Hof der
Erbsengasse 3.
1837 erwarb dann die Gemeinde das Anwesen, welches – freilich umgebaut –
uns bis zum Schuljahrsschluß 1960 beherbergt hat. Schulraumnot und Lehrernot
sind das Signum unserer Tage. Auch wir haben jahrelang unter diesen harten
Zeichen der Zeit gestanden und mehr als einmal gestöhnt über den
nervenzerreißenden Lärm, der uns in der Enge des alten Hauses von früh bis
spät umgab.
Um so dankbarer sind wir nun für die sehr wohltuende, ausgewogene
Schönheit dieses neuen Hauses und seiner Grünanlagen. In einer Flut von
Licht und Weite, in einer gediegenen Eleganz dürfen wir nun froh arbeiten,
in einer nie gekannten Stille dieser wundervollen Umgebung uns besinnen und
inne werden, daß der Mensch keine Maschine ist, sondern eine einzigartige
Idee Gottes, geschaffen für letzte und ewige Herrlichkeiten!
Aller Unterricht soll führen zum beseelten Wissen und durchgeistigten
Können. Als Erzieher sind wir sicher alle mit heißem
Herzen bemüht, unser Bestes einzusetzen, um den Kindern die Fülle un den
Sinn des Lebens aufzu-schließen, sie nicht zu Ansichten und Meinungen,
sondern zu Einsichten zu führen und ihnen das rechte Verhältnis zwischen
Verantwortung und Anspruch zu erschließen.
Wie froh sind wir für all die modernen Unterrichtshilfen, die uns nun die
neue Schule bietet. Vor allem aber bin ich glücklich, daß wir endlich dem
großen Anliegen einer zeitnahen Mädchenbildung mehr gerecht werden dürfen.
Frauliches Wesen und frauliche Lebensaufgaben finden nun mehr
Berücksichtigung im hauswirtschaftlichen Unterricht. „Die Kultur der Seele
ist die Seele der Kultur!“ Diese Küche allein ist ein Edelstein!
Sicher , wir wollen keine Tüchtigkeitsgespenster heranbilden! Aber die
Liebe zum geordneten und schönen Haushalt beginnt nicht beim Fernsehapparat,
sondern sicher hier in dieser Küche bei allen Mädchen, die guten Willens
sind, fleißig und gründlich zu lernen.
Ein nicht minder wichtiges Anliegen ist uns die Erziehung zur Gesundheit.
Darum begrüße ich warm alles, was hier der körperlichen Ertüchtigung dient.
Schauen Sie unseren Kleinsportplatz, die Gymnastikwiese. Für die Kleinen
wird ein Klettergarten werden!
Zukunftsmusik ist uns die Turnhalle, die aber schon einen sichtbaren
Anfang genommen hat. Fröbel hat einmal gesagt: “Bei der Erziehung muß man
etwas aus den Menschen herausbringen, nicht nur hinein!“ Wieviel
schlummernde Kräfte werden allein hier durch echte sportliche Betätigung
geweckt und wieviel Freude am Schönen wird gefördert. Aber auch der Wille
wird geschult werden müssen, all die schönen Dinge zu hüten und zu schonen
für die vielen, die nach uns diese Schule besuchen werden.
Zu eben dieser Zeit verlieren Tausende von Eltern und Kindern im Osten
unseres deutschen Vaterlandes Existenz und auch eine schöne Heimat; zu eben
dieser Zeit, da wir uns anschicken, ein so reiches schönes Heim in unsere
Obhur zu nehmen. Möge es uns gnädig erhalten bleiben!
Möchten wir aber auch heute neu den großen Auftrag Gottes erkennen,
unsere Kinder recht zu erziehen und „damit der Zeit begegnen, wie sie uns
ruft“
(Shakespeare ).
Nach dem Choral „Großer Gott, wir loben Dich“ besichtigten alle geladenen
Gäste das so praktisch gebaute und in den Farben wohl ausgewogene Haus.
Besondere Beifall fand die große und helle Schulküche.
Einer Einladung der Gemeinde folgten alle Gäste gern und stärkten sich
bei A. Schaack..
Am Sonntag war die Schule für alle Harheimer geöffnet. Auch die
Badeanlage konnte besichtigt werden.
Montags folgte im Anschluß an die Segnung der Kruzifixe die kirchliche
Weihe des Schulhauses.
Jede Klasse hatte 3 Vertreter gewählt, die ihr Klassenkreuz ehrfürchtig
zur Weihe bereithielten.
Meine Worte:
„Wir beginnen den ersten Tag des neuen Schuljahres im neuen Haus mit der
Segnung der Kreuze und aller Räume, wie es in jeder katholischen Familie
Brauch ist. An Gottes Segen ist alles gelegen!
Dieser Segen strömt uns vom Kreuz herab; es ist das Zeichen des erlösten
Christen ( Hinweis auf Missionskreuz, Friedhofskreuz, Feldkreuz, Kreuz als
Anhänger, Kreuz am Rosenkranz ).
Im Schatten des Kreuzes beten und arbeiten wir,
Im Segen des Kreuzes leben und sterben wir.
So sollen diese Kreuze Ausdruck sein dafür, daß wir eine Schule auf
christlicher Grundlage sind.
Das Kreuz sei der tiefste und edelste Schmuck unseres schönen, neuen
Schulhauses.“
Danach segnete Herr Pfarrer Sommer alle Kreuze.
Das folgende Gedicht, vorgetragen von der Oberklasse, leitete über zur
Weihe des Hauses.
„Erstes Wort in diesem Haus!
Muß das nicht ein gutes sein?
Daß es tief sich brennet ein
Wie ein Siegel, klar und rein?
Erstes Wort in diesem Haus!
Bisher Hammerschläge klangen.
Bräutlich harrt’s nun voll Verlangen,
soll die Weihe jetzt empfangen.
Erstes Wort in diesem Haus!
Viele Menschen sind erschienen,
ist ein Flüstern unter ihnen:
Wie wohl werden sie beginnen?
Erstes Wort in diesem Haus!
Über diesem Bau wird’s wagen,
Menschen werden’s weiter tragen ---
Luft erfüllt’s mit bangem Zagen.
Erstes Wort in diesem Haus!
Nein, kein Wort mit Sturmgebraus;
Still und einfach kling‘ es uns:
Herrgott, segne Du dies Haus!“
Darauf ging Herr Pfarrer Sommer segnend von Saal zu Saal.
Alsdann läutete zum erstenmal die elektrische Schulschelle:
Das Schuljahr 1960/ 1961 hatte begonnen!
(2.5.1960)
Ursula Wink trug das folgende Gedicht vor:
„Wir treten in ein neues Schuljahr ein,
behutsam wie auf unbekannten Wegen;
doch wollen all wir frisch und munter sein.
Wir meistern es, wenn wir uns fleißig regen.
Wir haben gern im alten Haus geschafft,
warum soll’s denn im neuen nicht gelingen?
Stets, wo ein Wille ist, wächst auch die Kraft
Das, was man von uns fordert, zu vollbringen.
Nicht für die Schule lernen wir allein.
Wir lernen doch für uns und für das Leben.
Drum wollen wir der Schule dankbar sein
Für alles, was sie Gutes uns will geben.
Wir wollen froh an uns’re Arbeit gehen.
Wer seine Pflichten recht erfüllt, kann lachen.
Dann werden vor uns selber wir bestehn,
den Lehrern und den Eltern Freude machen.
Nur frisch ans Werk! Wir stehn ja nicht allein.
Gemeinsam wollen wir die Kräfte regen,
dann wird das neue Jahr von Nutzen sein.
Den Fleißigen geb‘ Gott Erfolg und Segen!“
Klassenweise zogen die Kinder mit ihren Lehrern in die neuen Säle.
Am 2.5.1960 hatten wir 206 Kinder:
92 Knaben und 114 Mädchen.
kathol.: 173, ev.: 33
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Schule in den 30er und 40er Jahren von Monika Labisch und Baerbel Hoelscher
In den 30er und 40er Jahren war die Einschulung noch keine so feierliche
Angelegenheit wie heute. Falls die Eltern keine Zeit hatten, wurden auch
schon mal die größeren Geschwister zur Einschulung mitgeschickt. Auch waren
die Schultüten nicht so reichhaltig gefüllt. Darin befanden sich
Schreibsachen für die Schule und etwas Obst.
Früher wurden in Harheim die Kinder bis zur 8. Klasse unterrichtet. Da
die Schülerzahl noch nicht all zu hoch war, wurden in einem Klassenraum die
1. und 2. Klasse, die 3., 4., 5. und 6 Klasse als auch die 7. Und 8. Klasse
zusammen unterrichtet.
Zwei Lehrer wohnten in der Schule, was praktisch war, denn wenn die eine
oder andere Schülerin mit ihrer Arbeit fertig war, konnte sie für die Frau
vom Lehrer einkaufen gehen.
Vor Unterrichtsbeginn wurde regelmäßig jeden Morgen 5 Minuten Gymnastik
auf dem Schulhof gemacht. Unterricht war von morgens um 8.00 Uhr bis 12.00
Uhr und das von Montags bis einschließlich Samstags. Kommunionkinder mußten
zusätzlich noch zweimal wöchentlich vor der Schule in die Kirche gehen.
Erschien ein Kind unentschuldigt nicht zum Unterricht, wurde es vom
Ortsdiener zur Schule gebracht.
In der ersten Klasse schrieb man mit Griffel auf einer Tafel, erst später
benutzten die Kinder Schreibfedern. In den Tischen gab es vorne eine
Vertiefung, in der das Tintenfaß stand. Dort mußte der Federkiel in
regelmäßigen Abständen eingetaucht werden, damit man wieder schreiben
konnte. Manche Schuljungs benutzten dieses Tintenfaß allerdings auch um
darin die Zöpfe einer in der Vorderreihe sitzenden Mitschülerin
einzutauchen.Alle 14 Tage wurde ein Aufsatz geschrieben. Für jeden Fehler
bekam man einen Schlag mit dem Rohrstock auf die Finger.
An manchen Tagen mußten die Kinder auch nachmittags in die Schule zum
Sport- oder Handarbeitsunterricht. Sportunterricht fand immer im Freien
satt, nämlich auf dem alten Sportplatz, wo heute der Pudelclub ist. Im
Sommer ging man zum Schwimmen zur Nidda, wo manches Harheimer Kind schwimmen
lernte oder seinen Frei-oder Fahrtenschwimmer machte.
War allerdings Erntezeit, gab der Lehrer auch schon mal den einem oder
anderen Kindern nachmittags frei, damit sie den Eltern bei Arbeit helfen
konnten.
Ausflüge wurden damals wie heute gemacht, allerdings mit dem kleinen
Unterschied, dass die meisten Wege zu Fuß zurückgelegt wurden. So ging man
z.B. zu Fuß zur Saalburg.
Im Sommer sammelten die Kinder mit den Lehrern Kräuter und legten diese i
m Schulgebäude auf dem Dachboden zum Trocknen aus. Die Mädchen aus den
Klassen mußten die Kräuter täglich wenden. Waren diese dann ganz getrocknet,
brachten die Buben die Kräuter nach Bad Vilbel. Es wurde dann Tee für die
Soldaten daraus hergestellt.
Schule Anfang der 60er Jahre
Anfang der 60er Jahre war die Einschulung schon im April und feierlicher
wie früher. Die Schultüten wurden noch nicht selbst gebastelt so wie heute
und ihr Inhalt bestand aus Naschereien und Schreibuntersilien für die
Schule.
In der neuen Schule gab es auch schon pro Jahrgang eine Klasse und die
Kinder konnten bis zur 9. Klasse die Harheimer Schule besuchen.
Am Anfang wurde noch auf einer kleinen Tafel geschrieben. Jedes Kind
hatte an seiner Tafel einen kleinen selbstgehäkelten Lappen und ein
Schwämmchen.
Morgens wurde mit der Lehrerin in der Klasse ein Morgengebet gesprochen.
Dabei mußte immer alles ganz akkurat zugehen. Es waren in dieser Zeit auch
keine Toilettenbesuche erlaubt, so dass es schon mal passierte dass jemand
die Kontrolle über seine Blase verlor und die restlichen Stunden mit nasser
Hose im Unterricht verbrachte.
Alle Kinder mußten morgens in der Klasse Hausschuhe anziehen. Dafür hatte
jeder Schüler extra einen Beutel, worin diese aufbewahrt wurden.
Schüler die Meßdiener waren gingen 2 x pro Woche vor dem Unterricht so
gegen 7.00 Uhr morgens in der Kirche . Nach der Kirche mußten sie sich dann
sputen, um noch pünktlich in die Schule zu kommen.
Von der Lehrerin Frl. Haag wurden am Anfang des Unterrichts kleine bunte
Tabletten an die Kinder verteilt. Die gelben waren besonders beliebt. Es
handelte sich dabei offensichtlich um Zahntabletten.
Sonntags hatten die Kinder alle in der Kirche zu erscheinen. Hier saßen
sie klassenweise in den Bänken und innerhalb der Klasse noch getrennt nach
Mädchen und Jungen. Lediglich Fr. Haag hatte einen festen Platz, der auch
mit einen Schildchen gekennzeichnet war.
Für die Kinder gab es in den Schulpausen Milch und Kakao zu trinken. Dies
mußte wochenweise vorbestellt und wurde dann in den Klassen ausgeteilt. Zu
dieser Zeit gab es auch Schulsparen - Kinder brachten Geld in Tüten mit in
die Schule. Für das Geld bekamen sie Märkchen ausgehändigt, die in ein Heft
von einer Sparkasse stammend eingeklebt wurden. Am Ende der Schulzeit hatten
so manche Kinder ein kleines „ Vermögen „ zusammengespart.
In den Anfangszeiten der Harheimer Gundschule gab es auch eine kleine
Schulbibliothek, die während den Pausen geöffnet war. Der Schulsport fand
draußen auf dem Schulsportplatz statt, bis später dann die Turnhalle gebaut
wurde. Im Keller der Turnhalle befand sich dann auch der Werkraum.
Nach Schulschluß wurde nicht immer gleich der Heimweg angetreten. In der
heutigen Straße „ Zur Untermühle „ befand sich in der Mitte ein kleiner
Abwassergraben, in welchen die Küchen und Badeabwässer der Häuser
eingeleitet wurden. Dieser Graben wurde von so manchen Kindern als Mutprobe
übersprungen, wobei der eine oder andere auch mal „ baden „ ging.
Für ihre Mithilfe und Informationen bedanken wir uns bei:
Greta Dewald, Lotte Fritz, Elli Hölscher, Gustel Labisch,Heinz Labisch,
Werner Menges, Betti Müller, Anneliese Quirin und Dieter Quirin
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Harheimer Schulwesen im Rückblick von Dagmar Wendler
Sieht man sich Harheims Schulhaus an, so hat man ein großes, helles und
freundlich aussehendes Schulgebäude vor sich. Das war nicht immer so. 1654
verfügte die Gemeinde über ein kleines "Schulhäusgen vor der Oberpforte",
der damaligen Obergasse, der heutigen Korff/ Spitzenstraße, vor dem
Ortsausgang in Richtung Bonames. Es wird noch 1808 als gemeines Häuslein
geführt. Ein Schulmeister findet erstmals 1625 Erwähnung.
Es wird schon vor ihm welche gegeben haben. Den frühesten Ort des
Unterrichts können wir am Platz der karolingischen Urpfarrei Crutzen ( ad
crucem, beim Kreuz ) des Klosters Fulda im Kalbacher Feld annehmen. Im Jahre
754, nach der zweiten Nachtrast des Leichenzuges auf dem Weg von Mainz nach
Fulda mit den Gebeinen des Bonifatius, des Apostels der Deutschen und
Bischofs von Mainz, ließ das Kloster Fulda dort eine Kirche errichten. Zu
ihr gehörte neben anderen umliegenden Gemeinden vermutlich auch der Sprengel
Harheim, ehe er der 1297 erwähnten Pfarrkirche in Bonames zugeschlagen
wurde.
Der 1625 erwähnte Lehrer war zugleich Gerichtsschreiber, also Schreiber
des Ortsgerichts, und Glöckner. Da sein Lohn zum Leben Mitte des 17.
Jahrhunderts kaum ausreichte, erhielt er von der Gemeinde, vertreten durch
Schultheiß und sieben Schöffen, noch 18 Florin ( Gulden zusätzlich, nicht
aus Gerechtigkeit, sondern aus Gnaden und Gott zur Ehre, also ohne
Anerkennung einer Rechtspflicht. Auf Schulmeister Johann Jörg folgte 1680
Johann Philipp Holtz. Seine schön geschriebenen Urkunden sind noch erhalten.
Seine Lohnforderung in Höhe von 3 Fl. Schreiberlohn beschied die Gemeinde
abschlägig mit den Worten: "Er schreibt zu viel." Von 1705 bis 1828 trugen
die Lehrer die Namen Adam Frey, Johann Frey, Peter Frey, Johann Adrian Frey
und Johann Peter Frev. Über 100 Jahre bekleidete die Familie Frev, "Schulhannese"
genannt, das Lehramt in Harheim.
Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Schule in das Haus Erbsengasse 4 in
der heutigen Winkelgasse verlegt. Es lag gegenüber dem ehemaligen Dinghof
der Herrschaft Königstein (Alt Harheim 2 ). Die viel zu kleine Schulstube
mussten die Kinder im Winter aus Mangel an Holz mit der Lehrersfrau und
deren Magd teilen. Die Lehrerwohnung im oberen Stock bestand aus einer Stube
und zwei Kammern, ohne Küche. Pfarrer Brunner machte dem Schulinspektor in
Höchst Mitteilung von den unzulänglichen Harheimer Schulverhältnissen.
Justizrat Brückner, der Erwerber des ehemaligen Dinghofs, hatte seinem
Patenkind, dem Lehrersohn Anselm Frey, ein Stück Garten geschenkt. Die
Gemeinde tauschte diesen als neuen gegen den früheren Schulgarten.
Auf Lehrer Johann Peter Frey folgte 1828 Simon Mardner und 1832 Lehrer
Matthias Venino. Ab 1828 fanden jährlich zwei Mal Prüfungen der Ober und
Unterklasse vor dem Schulinspektor in Höchst in Gegenwart des
Schulvorstandes statt. Diesem stand der Pfarrer und, seit 1912, der
Bürgermeister vor. Erst 1842 wurde eine zweite Lehrerstelle an der Schule
mit 135 Kindern eingerichtet. Der Sold des Lehrers betrug inzwischen 200 Fl.
jährlich, der des Lehrgehilfen 150 Fl. Von der nassauischen Regierung wurde
dem Lehrer gestattet, zwei Milchkühe auf den Wiesen der Gemeinde zu halten.
Am 29. Juli 1846 wankten Tische und Bänke im Schulhaus wegen eines
Erdbebens. 1922 wiederholte sich dies am 17. November. 1836 ersteigerte die
Gemeinde den Dinghof von den Eheleuten Korf und errichtete darin 1838 auch
ein Schulhaus.
Mit Friedrich Quirin, dem jüngsten Sohn des Schultheißen Johann Martin
Quirin, kam 1850 wieder ein Lehrer aus einer Harheimer Familie an die
Schule. Er versah seinen Dienst als Hauptlehrer bis 1896, also 46 Jahre
lang. Er bewohnte ein kleines, niedriges Häuschen am Dinghof, das bis 1902
stand.
Die Großherzogliche HessenDarmstädtische KreisSchulkommission des
Kreises Bad Vilbel übernahm 1867 die Schulprüfungen und 1875 die des Kreises
Friedberg. Es war eine Zeit großer Armut, der mehrere Familien durch
Auswanderung nach Amerika zu entgehen suchten, Die Zahl von 165 Schülern im
Jahre 1850 sank daher bis 1867 auf 138 Schüler und stieg erst 1872 auf 150
und bis 1902 auf 186 Schüler an. Trotz Überfüllung der Unterklasse mit 93
Schülern lehnte die Gemeinde 1898 eine dritte Lehrerstelle aus Kostengründen
ab. 1901 kam en die Schulumstände auf der Kreislehrerkonferenz zur Sprache,
als 100 Kinder die Unter und 81 die Oberklasse füllten. Das führte 1903 zur
Besetzung der dritten Lehrerstelle mit Karl Braun neben dem Hauptlehrer
Anton Link ( von 1897 bis 1928 ) und Lehrer Jakob Landvogt, Hauptlehrer von
1928 bis 1947. Nun hatte die erste Klasse 68, die zweite 46 und die dritte
72 Schüler. 1900 war die Zahl der evangelischen Harheimer im katholischen
Dorf auf 45 angewachsen, so dass die Pfarrei Nieder Erlenbach wöchentlich
einen zweistündigen Religionsunterricht in der Harheimer Schule einrichtete.
1916 stieg die Schülerzahl auf 202. Sie sank bis 1928 auf 125 und stieg bis
zum 2. Weltkrieg auf ungefähr 150, bis 1965 auf 240 Schüler an.
1947 wurde die erste Lehrerstelle von Peter Sahner übernommen. 1949 wurde
von Darmstadt die vierte Lehrerstelle genehmigt. Im gleichen Jahr übernahm
Jakob Völkner die erste Lehrerstelle. Ihm folgte von 1951 bis 1963 Elisabeth
Haag. In ihre Zeit fällt die Errichtung des heutigen Schulgebäudes im Jahre
1960, als die Schülerzahl infolge des Zuzugs von Flüchtlingen und
Heimatvertriebenen die Zahl 200 überschritten hatte. 1962 folgte der Bau
einer Schulturnhalle. 1964 übernahm Jakob Christ das Amt des Schulleiters.
Ihm folgte der seit 1960 in Harheim tätige Lehrer Hermann Neuesüß bis 1995.
Die Oberstufe (5. 9. Klasse) wurde 1968 durch Beschluss der
Gemeindevertretung an den Mittelpunktschulverband in Nieder Eschbach
angeschlossen. Seit 1973 besteht neben acht Klassen für die ersten vier
Jahrgänge auch eine Vorklasse. 1983 wurden ca. 160 Kinder von acht
hauptamtlichen Lehrern und zwei Pfarrern unterrichtet. Frau Brigitte Gaiser
übernahm 1995 die Schulleitung. Es bestehen weiterhin neun Klassen,
einschließlich der Vorklasse, mit derzeit insgesamt 170 Kindern.
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